Bauvorhaben: Holzbrücke


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Entwurfsüberlegungen

Nichtausgeführtes Objekt in Potsdam

Eine Brücke planen heißt, eine gestalterisch und eine technische Aufgabe lösen. Der Entwurf muß die geometrischen Bedingungen sowohl im Grundriß (Trassierung, Länge, Breite, Krümmung) als auch in der Ansicht (Gradiente, Rampen, Stützenstellung) erfüllen. Die Nutzung der Brücke, die daraus resultierende Belastung und die geforderte Lebensdauer sind weitere Rahmenbedingungen, die den Entwurf mitbestimmen. Gute harmonische Proportionen des gesamten Bauwerkes und eine klare Ordnung der Einzelnen Elemente bilden das gestalterische Konzept. Die reinen Grundformen der Tragwerke (Balken, Fachwerk, Bogen, Faltwerk) sollten gegenüber unübersichtlichen Mischformen bevorzugt werden (Abspannung-Fachwerk).

Entscheidend für die Tragwerksplanung ist die Wahl des Baustoffes. Im allgemeinen werden Beton, Stahl und Holz verwendet. Holz war jahrhundertelang neben Stein der wichtigste Werkstoff im Brückenbau. Die Materialien Beton und Stahl verdrängten im Laufe ihrer Entwicklung Holz als Baustoff fast vollständig. In den letzten Jahren hat sich jedoch die Einstellung gegenüber dem Baumaterial Holz - auch für Brückenkonstruktionen - bei Architekten und Ingenieuren, Bauherrn und Benutzern geändert. Dies entspringt offensichtlich dem Bedürfnis, sich wieder auf natürliche Baustoffe zu besinnen und auf gute Einpassung der Bauwerke in die Umgebung zu achten. Nicht außer Acht lassen darf man dabei den Umweltschutz, indem die Gesellschaft sich auch mit der Wideraufforstung, wie in den skandinavischen Ländern geschieht, befaßt. Auch die Verwendung von tropischen Harthölzern ist als schändlich zu bezeichnen, wenn dadurch nicht gleichzeitig mit der Wiederbepflanzung in den Herkunftsländern begonnen wird. Ein weiteres Argument in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß bei Verwendung von ausländischen Hölzern aus Übersee, der hierzulande ansässige Holzindustrie die Aufträge fehlen und Kapazitäten ungenutzt bleiben.

Holz als Baustoff wird zunehmend in Bereichen verwendet, wo herkömmliche Bearbeitungstechniken und entsprechende handwerkliche Erfahrungen allein nicht mehr genügen (BSH-Herstellung). Hier wird von den Ergebnissen der neueren Forschung profitiert. Der Entwicklung von verbessertem Holzschutz und größeren Festigkeiten, vor allem bei BSH, kommt eine besondere Bedeutung zu. Neue Imprägniervervahren, Behandlung der einzelnen Lamellen vor dem Verleimen und Verwendung leicht imprägnierbarer Hölzer entsprechen der Forderung nach wetterbeständigen Holzbauteilen im Brückenbau. Höhere Festigkeiten, die den Anwedungsbereichen erweitern, erzielt man u. a. mit BSH aus Buche oder kombinierten Querschnitten. Neue Möglichkeiten eröffnen auch, unter Vorbehalt, die tropischen Harthölzer. Durch die Verbesserung des Baustoffes Holz im Zusammenwirken mit weiterentwickelten Verbindungsmitteln {z.B. hochfeste Stabdübel/Bleche aus rostfreien Materialien (X 6 Cr 13 oder St52 verzinkt)} sind Konstruktionen möglich, die große Lasten aufnehmen können und eine hohe Dauerhaftigkeit gewährleisten. Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, Teile einer Holzkonstruktion in anderen Materialien { Betonfundamente, Stahlanschlüsse, Stahlverbindungen, Kunststoffauflager, Gußpaßstücke im Anschlußbereich (Stahlguß)} zu planen, um deren spezifische Qualitäten optimal ausnutzen zu können.

Dabei muß natürlich trotzdem die Holzkonstruktion als solche erkennbar sein. Holzbrücken werden meist nur dann gebaut, wenn sie einem Kostenvergleich mit Brücken aus anderen Materialien standhalten. Den Ablöserichtlinien des Bundesministers für Verkehr entsprechend, werden für Holzbrücken lediglich 20 - 25 Jahre angesetzt, für vergleichbare Betonbrücken jedoch 70 - 80 Jahre. Diese Einschätzung der Dauerhaftigkeit ist sicherlich nicht gerechtfertigt. Bei sorgsamer konstruktiver Durchbildung und holzschutztechnisch einwandfreier Planung wird auch bei weniger resistenten Holzarten eine hohe Lebensdauer erreicht. Auch der Vorteil das Holz eine 8 - 10 mal größere Bruchlast hat, als in der Norm enthalten ist, spricht dafür. Die sehr großen Verkehrslasten im Vergleich zum Eigengewicht bestimmen wesentlich die Durchbiegungsnachweise. Da diese selten erreicht werden steht mit der hohen Bruchlast eine große Reserve für die Dauerhaftigkeit bereit. Die große Anzahl weit über 200 Jahr alter Brücken, die in den Alpenregionen noch in Gebrauch sind, beweisen dies anschaulich.

Bauwerksvolumen: 50 m³ Brettschichtholz

Herstellkosten: ca. 1.600.000 EUR